Ausbildungsdokumentation für Fähnriche

Eine Fahne (von lat. pannus „Tuch, Lappen“ und altgrch. πήνος „Gewebe“) ist ein ein- oder mehrfarbiges, leeres oder mit Bildern oder Symbolen versehenes, meist rechteckiges Stück Tuch, das an einem Fahnenmast oder einem Fahnenstock meist mit Nägeln und verzierter Spitze befestigt ist und stellvertretend eine Gemeinschaft kennzeichnet: z. B. Vereinsfahne, Zunftfahne, Kirchenfahne, Truppenfahne.

Eine Fahne im engeren Sinne ist ein für einen bestimmten Verwendungszweck hergestelltes Einzelstück und ist im Gegensatz zu einer Flagge nicht einfach austauschbar, wenn sie verschlissen oder beschädigt ist.

Im weiteren Sinn wird das Wort Fahne auch für Flaggen verwendet. In der Schweiz wäre es sogar falsch, von einer „Schweizer Flagge“ zu sprechen (Schweizer Fahne).

Geschichtliches

 
Gegenüberstellung von Standarte und Fahne

Als Stammes- oder Feldzeichen sind Fahnen im Morgenland seit dem frühen Altertum bekannt. Auch im römischen Heer erfuhren sie zahlreiche Verwendung. Seit dem 11. und 12. Jahrhundert gab es in Italien und Deutschland sogar besondere Fahnenwagen, die sogenannten Karraschen (Carroccio). Das spätere Mittelalter bezeichnet die Fahne als Banner oder auch Paniere (Panier). Vor dem Ersten Weltkrieg führten im deutschen Reichsheer fast alle Truppengattungen Fahnen (außer der Artillerie). Die Fahnen der Reiterei hießen Standarten.

Verwendung

Ursprünglich dienten die Fahnen im Kampf als Orientierungspunkt für die Soldaten und Truppenteile. Daher rührt auch der Name Fähnlein für eine bestimmte Anzahl an Kämpfern im 16. und 17. Jahrhundert. Aus dieser Bindung der Einheiten an ihre Fahne keimte auch deren Bedeutung als Symbol für militärische Ehre und Treue (siehe auch Fahneneid, den der Soldat darauf zu leisten hatte, Fahnenflucht als schweres Vergehen eines Soldaten).

Bedeutung

Dadurch wurde die Fahne quasi zum Heiligtum, das sowohl kirchlich geweiht wie auch an besonderer Stelle aufbewahrt wurde. Nicht nur den Militärangehörigen, auch der Fahne an sich wurden die militärischen Ehrbezeugungen dargebracht. Als Fahnenträger wurden ausgesuchte Personen eingesetzt, die Fähnriche, meist Junker im Offiziersrang. Später gab man diese Aufgabe auch an verdiente Unteroffiziere oder Anwärter.

Die Verteidigung der Fahne war stets soldatische Pflicht. Die Eroberung einer feindlichen Fahne war eine Ruhmestat, der Verlust der eigenen galt als Schande. Die Namen der Soldaten oder Offiziere, die mit der Fahne in der Hand gefallen waren, wurden auf einem silbernen Ring an der Fahnenstange angebracht. Im Gefecht beschädigte Fahnen erhielten ebenfalls silberne Ringe, auf denen das Geschehnis vermerkt war. Hohes Alter und Spuren bestandener Kampfhandlungen galten seit je als besondere Zierde der Fahnen. Eroberte Fahnen und Standarten waren die schönsten Siegestrophäen und wurden selbst nach Friedensschluss nicht herausgegeben, sondern im Zeughaus oder in Kirchen aufgestellt.

Mit der Änderung von Kriegstechniken und speziell der Aufgabe der geschlossenen Schlachtenreihe verlor die Fahne als taktisches Feldzeichen an Bedeutung. Seit dem Jahr 1900 hatte z. B. die Feldartillerie des Deutschen Reiches keine Fahne mehr, wohl aber jedes Bataillon der Infanterie, Jäger und Pioniere sowie das jeweils erste Bataillon eines Fußartillerieregiments. Im Ersten Weltkrieg wurden zwar die Fahnen noch mitgenommen, aber mit Beginn des Stellungskrieges nach Hause gebracht.

Prozessionsfahnen

Für eine Prozession aufgestellte Fähnchen.

Bei kirchlichen Prozessionen spielen Fahnen traditionell eine große Rolle. In der Prozession werden Prozessionsfahnen und Banner der kirchlichen Gruppierungen und Vereine mitgeführt. Der Prozessionsweg etwa bei der Erstkommunion, bei Bischofsbesuchen, Jubiläen und Primizen sowie die Segensaltäre an Fronleichnam werden durch kleine, am Straßenrand aufgestellte Prozessionsfähnchen geschmückt, üblicherweise meist in den Farben Gelb-Weiß, Blau-Weiß und Rot-Weiß.

Charles Lamoureux als Dirigent

Der Dirigent (von lateinisch dirigere ‚ausrichten‘ bzw. ‚leiten‘) ist der künstlerisch-musikalische Leiter eines musizierenden Ensembles (Chor oder/und Orchester), siehe Dirigieren.

Funktion

Der Dirigent erarbeitet mit den Orchester– oder Chormusikern das Werk und bringt es zur Aufführung. Hierzu übernimmt er insbesondere zwei Aufgaben:

  1. Technische und künstlerische Koordination der mitwirkenden Musiker: Beim Dirigieren gibt er die für die Musiker verbindlichen Tempi an (siehe Schlagfigur) und gestaltet den musikalischen Ausdruck (vergl. Vortragsbezeichnung).
  2. Interpretatorische Gestaltungshoheit: Nach dem Konzept des Dirigenten soll das Werk erarbeitet und aufgeführt werden.

Geschichte

Bis in das 18. Jahrhundert wurden Ensembles meist von einem der aktiven Musiker geleitet (der oft auch der Komponist des aufgeführten Werkes war). Im 17. und 18. Jahrhundert, dem Generalbasszeitalter, wurde üblicherweise vom Cembalo oder von einer Violine aus die Leitung übernommen. In Einzelfällen trat der Leiter schon vor das Ensemble. Mit Hilfe eines Taktstockes, mit dem der Takt auf dem Boden gestampft wurde, und Armbewegungen gab er musikalische Anweisungen.

Den Dirigenten in Funktion und Gestalt oder auch als Berufsbezeichnung, wie man ihn heute kennt, gibt es erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Als erster Dirigent im heutigen Sinn gilt Felix Mendelssohn Bartholdy seit seiner Leitung des Gewandhausorchesters in Leipzig. Zunehmend größer werdende Chöre und Orchester machten die Leitung vom Instrument aus unmöglich. Bis zum 20. Jahrhundert wurden die meisten großen Orchester noch von Kapellmeistern dirigiert, die routinemäßig eigene Kompositionen und Musikbearbeitungen für ihr Ensemble erstellten.

Der Dirigent vereint und konzentriert in seiner Person die Macht und (im Idealfall) auch die künstlerische Kompetenz der musikalischen Gestaltungshoheit. Er ist das „Nadelöhr“ zwischen dem ausübenden Musiker und dem, was als musikalisches Produkt zu hören ist. Gemeinsames Musizieren funktioniert hier nicht mehr über Kommunikationsstrukturen unter den Musikern, sondern durch „Unterordnung“. Aufgrund dieser Kompetenzen entwickelte der Dirigent eine starke soziale Stellung, die die späteren Stardirigenten möglich machte.

Diese „Interpretationsmacht“ des Dirigenten ergab sich ähnlich wie diejenige des Theater-Regisseurs erst im ausgehenden 19. Jahrhundert. Sie hat damit zu tun, dass sich das Repertoire stilistisch zunehmend verbreiterte und auch bei großen Besetzungen Wert auf eine individuelle Interpretation gelegt wurde. Die Vorstellung des gründerzeitlichen Vorgesetzten, der hochgeachtet wird, auch wenn er bloß ein Ausführender ist, blieb auch im 20. Jahrhundert mit dem Dirigentenberuf verbunden. Als Nadia Boulanger im Jahr 1938 das Boston Symphony Orchestra dirigierte, brach sie in eine traditionsgemäß männliche Domäne ein. Bis heute ist es erst wenigen Frauen gelungen, sich als Dirigentin durchzusetzen.

Bass
engl.: tuba, ital.: tuba, fran.: tuba
Two F tubas.jpg
Historische (um 1900) und moderne (2004) F-Tuba
Klassifikation Aerophon
Blechblasinstrument
Tonumfang Tuba range.svg
Verwandte Instrumente Ophikleide, Baritonhorn, Tenorhorn, Euphonium
Musiker
 

Die Tuba (lat. als Rohr – Röhre übersetzt), Mehrzahl Tuben, ist das tiefste aller gängigen Blechblasinstrumente. Sie besitzt drei bis sechs Ventile und zählt infolge ihrer weiten Mensur und der entsprechend stark konisch verlaufenden Bohrung zur Familie der Bügelhörner.

Geschichte
Tuba war im Römischen Reich die Bezeichnung für ein Blasinstrument aus Messing oder Bronze. Es besaß die Form einer geraden, langgestreckten Röhre mit schmalem Schallbecher, ähnlich einer Fanfare, und entsprach wahrscheinlich der griechischen Salpinx.

Moritz-Wieprecht-Basstuba in F

Heute versteht man unter einer Tuba das Bassinstrument der Familie der Bügelhörner. Die ersten Tuben wurden in Berlin um 1835 kurz nach der Erfindung der Ventiltechnik entwickelt. Wilhelm Wieprecht und Carl Wilhelm Moritz erhielten in diesem Jahr ein Patent auf eine Basstuba in F mit fünf Ventilen.

Dank ihres vorteilhafteren Klangs und der präziseren Intonation ersetzte dieses Instrument in Orchestern schon bald ihre Vorläufer, den Serpent beziehungsweise das Basshorn und die Ophikleide.

Im Orchester werden Basstuba und Kontrabasstuba gleichermaßen verwendet. Die Tuba ist im Orchester meistens einfach, seltener auch zweifach besetzt. Ob eine Partie mit der Bass- oder Kontrabasstuba gespielt wird, entscheidet meist der Tubist selbst anhand einiger Gesichtspunkte wie etwa der geforderten Tonlage, Lautstärke oder Klangfarbe, dem Wunsch des Dirigenten, der Raumakustik und ähnlichem. Einige Komponisten wie etwa Richard Wagner schreiben die Bauform jedoch vor. Ein Orchestertubist muss im deutschsprachigen Raum beide Bauformen virtuos beherrschen. In den skandinavischen Ländern, in England und Teilen Amerikas sowie in Australien wird hauptsächlich die Kontrabasstuba in C verwendet. Die Alternative zur Basstuba in F bildet in diesen Ländern eine Es-Tuba.

Im Jazz nahm die Tuba bis ca. 1925 die Bassrolle wahr, bevor sie vom Kontrabass abgelöst wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg feierte sie im Amateur-Dixieland ein Comeback.[1]

Technik

Kontrabasstuba in B

Das Hauptmerkmal der Tuba ist die starke Erweiterung der Bohrung (weite Mensur) in einem Verhältnis von bis zu 1:20 vom Mundstück bis zum Schallstück des Instrumentes.

Die Kontrabasstuba in B besitzt mit 580 Zentimetern die größte Grundrohrlänge aller Blechblasinstrumente. Einschließlich aller Ventilschleifen kommt dieses Instrument sogar auf 966 Zentimeter Länge.

Im Sitzen ruht die Tuba auf den Oberschenkeln des Bläsers, bei kleineren Tubisten mit besonders großen Instrumenten auch auf dem Stuhl selbst. Zum Spiel im Stand ist ein spezieller Ständer, ein Schultergurt oder ein Tubagürtel (Tubabelt) erforderlich. Der Trichter weist in der Regel nach oben und meist leicht nach links bei Ausführung mit Drehventilen, bzw. nach rechts bei Ausführung mit Périnet-Ventilen (vom Spieler aus gesehen).

Die Finger der rechten Hand liegen auf den ersten drei bis fünf Ventilen. Mit der linken Hand wird das Instrument gestützt und je nach Konstruktion werden bis zu drei weitere Ventile, die der besseren Intonation dienen, gedrückt.

Die Tuba wird mit einem Kesselmundstück gespielt.

Die Naturtöne der B-Tuba sind:

B2 – B1 – F – B – d – f – (as) – b – c1 – d1 – (e1) – f1 usw.

Es-Tuba

Es1 – Es – B – es – g – b – (des1) – es1 – f1 – g1 – (a1) – b1 usw.

F-Tuba:

F1 – F – c – f – a – c1 – (es1) – f1 – g1 – a1 – (h1) – c2 usw.

Die in Klammern genannten Töne sind nur bedingt verwendbar, da sie deutlich von den entsprechenden gleichstufig gestimmten Tönen abweichen.

Die Tuba besitzt einen nutzbaren Tonumfang von mehr als vier Oktaven.

Bauformen

Kaiserbass
Tuba in gestreckter Form
  • Basstuba:in Es oder F, gebräuchlichste Bauweise, hat etwa die gleiche Lage wie der Kontrabass und das Fagott
  • Kontrabasstuba:in B oder C, größte und tiefste der gebräuchlichen Tuben. Eine sehr weit mensurierte Form der Kontrabasstuba in B ist der „Kaiserbass“.
  • Doppeltuba:in B/F oder C/F, Kombination aus Kontrabass- und Basstuba (mit Stimmventil).
  • Helikon:um den Oberkörper liegend gespielte Bass- oder Kontrabasstuba in kreisrunder Form (in Blaskapellen und früher in kirchlichen Posaunenchören verwendet; vermutlich zuerst im Jahr 1845 in Russland gebaut; meistens in Es gestimmt) „Reiterinstrument“ des Militärs, großer sonorer Klang.
  • Sousaphon:Abwandlung eines Helikons mit etwas größerem und nach vorn gebogenem Trichter (meist als zweiteiliges Instrument verwendet (Maschine + Korpus/Trichter)) Das Sousaphon wurde durch John Philip Sousa für die Brass- und Bigbands des amerikanischen Militärs als Show-Instrument entwickelt und wird in der Regel in der Marschmusik eingesetzt.
  • Bombardonbezeichnet heute verallgemeinernd eine tiefe, kräftige Basstuba. Der Instrumentenbauer Joh. Riedl/Wien benannte 1820 so seine 12-klappige Ophikleide. Durch Einbau von Ventilen umging er später das Patent von Carl Wilhelm Moritz und kreierte damit ein engmensuriertes durchgehend konisches Bassinstrument. Vor allem im volkstümlichen und literarischen Bereich verfestigte sich bis heute diese Benennung.
  • Als Tornistertuba wird eine um 1915 verwendete Tuba genannt, deren enge Wicklung ein kleines Instrument ergab, das wegen seiner kompakten Bauweise wahrscheinlich vor allem von Militärmusikern geblasen wurde.
  • Subkontrabasstuba in B, dieses Instrument klingt nochmals eine Oktave tiefer als die B-Kontrabasstuba. Der tiefste Naturton ist das B3. Damit reichen die tiefsten Töne des Instruments bereits in die unterhalb der Hörgrenze liegende Subsubkontraoktave. Subkontrabasstuben werden nur sehr selten als Einzelaufträge gebaut.

Kurioses:

  • Eine Tuba in gestreckter Form ohne Ventile befindet sich im Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen. Das überdimensionale Schallstück wurde 1913 von einem Markneukirchner Meister als Meisterstück gefertigt. Als Schaustück gedacht, wurde das spielbare Instrument auf Festumzügen mitgeführt.

Besetzung in Orchesterformationen

  • Im romantischen Sinfonieorchester sind vielfach ein bis zwei Tuben besetzt.
  • Am 8. Juli 2007 musizierten 286 Tuba-Spieler gemeinsam in Winterstettenstadt. Sie stellten damit einen neuen „Guinness-Weltrekord“ auf.

Kompositionen für Tuba

„Tubaspieler“
(Kunst im öffentlichen Raum: Plastik von Arne Ranslet in Hamburg-
Harburg, 1982)
  • Kalevi Aho: Konzert für Tuba und Orchester (2000/01)
  • Malcolm Arnold: Fantasy for Tuba solo
  • Leonard Bernstein: Waltz for Mippy III
  • Eugène Bozza: Concertino pour Tuba en Ut et orchester ou piano
  • Crister Danielsson: Capriccio da Camera; Concertante Suite
  • Morton Feldman: Durations 3 für Tuba, Violine und Klavier (1961)
  • Kurt Gäble: Tuba Concerto Español
  • John Golland: Tuba Concerto Op.46 (1980)
  • Edward Gregson: Concerto for Tuba and Brass Band; Alarum for Solo Tuba
  • Paul Hindemith: Sonate für Basstuba und Klavier (1955)
  • Joseph Horovitz: Concerto for Tuba and Brass Band
  • Bertold Hummel: Sonatine für Basstuba und Klavier op 81a (1983)
  • Bertold Hummel: 3 Bagatellen für Tuba und Klavier op 95h (1993)
  • Julius Jacobsen: Tuba buffo, concerto for Tuba; Tuba Ballet
  • Erland von Koch: Monolog No. 9
  • Helmut Lachenmann: Harmonica. Musik für Orchester mit Solo-Tuba (1981/83)
  • Alexei Konstantinowitsch Lebedew: Konzert a-moll
  • Wilfried Lingenberg: Intermezzo für Tuba und Orgel (2002)
  • Jean François Michel: Spielstück für Tuba
  • Rodney Newton: Capriccio
  • Bo Nilsson: Bass for solo Tuba and Percussion
  • Krzysztof Penderecki: Capriccio
  • Roger Steptoe: Tuba Concerto (1983)
  • Alexander Tcherepnin: Andante for Tuba or Trombone and Piano, Opus 64 (1950, Frankfurt: M. P. Belaieff)
  • Ralph Vaughan Williams: Concerto for Tuba and Orchestra f-moll
  • Alec Wilder: Suite No. 1 for Tuba und Piano (Effie Suite)
  • John Williams: Tuba Concerto (1985)
  • Franz Watz: Concerto für Tuba und Blasorchester
  • Walter Sears: Sonatine für Tuba und Piano
  • Hartmut Schmidt: Konzert für Tuba und Orchester

Welt-Tuba-Tag

1979 rief der amerikanische Musiker Joel Day den International Tuba Day aus, der seit dem Jahr 1982 jährlich am ersten Freitag im Mai stattfindet. Laut Joel Day findet der Tubist nicht das Maß an Respekt und Anerkennung, das ihm zustehen würde. Die Tuba würde oftmals als unwichtig abgetan und als „imposantes“ Anhängsel angesehen.

Schlagzeug
engl.: drum set, ital.: batteria, fran.: batterie
Platin Drums PTCL2016 AF.jpg
Klassifikation Membranophon (Trommeln)
Idiophon (Becken, Cowbell)
Schlaginstrument
Klangbeispiel Rockbeat auf einem Schlagzeug
Verwandte Instrumente Elektronisches Schlagzeug, Liste der Schlaginstrumente, Perkussion
Musiker
Liste von Schlagzeugern, Kategorie:Schlagzeuger

Das Schlagzeug, umgangssprachlich auch Drums (von engl. drum kit/drum set) genannt, ist eine Kombination verschiedener Schlaginstrumente.

Im Laufe der Geschichte etablierten sich abhängig vom Musikstil unterschiedlichste Aufbauten des Schlagzeugs. Zur heutigen Standardform gehören Kleine Trommel, Große Trommel, Tom Tom, Hi-Hat, verschiedene Becken und Kleinperkussion wie zum Beispiel einen Holzblock, Cowbell oder Schellenkranz. Diese Kombination kann vom jeweiligen Musiker individuell zusammengestellt und mit Hilfe von Stativen oder Befestigungsstangen angeordnet werden.

Neben dem akustischen Schlagzeug existiert heute ein elektronisches Pendant, siehe Elektronisches Schlagzeug.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe Schlagzeug und drum set synonym verwendet, akademisch ist das Schlagzeug jedoch ein Synonym für Schlagwerk, der Oberbegriff für sämtliche Schlag- und Perkussionsinstrumente innerhalb eines Sinfonieorchesters.

Schlagzeugnoten werden innerhalb der gängigen Notenschrift notiert. Zur Kennzeichnung dient der so genannte neutrale Notenschlüssel.

Schlaginstrumentarium

Standardaufbau des Schlagzeugs
1. Crashbecken 2. Floortom 3. Tom Tom 4. Große Trommel 5. Kleine Trommel 6. Hi-Hat

Die einzelnen Instrumente des Schlagzeug-Sets zählen entweder zu den Idiophonen („Selbstklinger“) oder zu den Membranophonen („Fellklinger“). Die Auswahl der Instrumente hängt vom musikalischen Kontext, der Stilistik und den Vorstellungen des Schlagzeugers ab. Die Größen der Trommeln und Becken werden in Zoll (Inch, 1 Zoll = 2,54 cm) angegeben. Auch wenn sich eine ganze Reihe von Standards durchgesetzt haben, erscheint die Vielfalt der mittlerweile auf dem Markt erhältlichen Größen nahezu unbegrenzt. Fast immer wird als Grundlage des Schlagzeugs eine Kombination aus folgenden Instrumenten verwendet.

Kleine Trommel

14″-Kleine Trommel mit Holzkessel

Die Kleine Trommel, auch „Snare-Drum“ genannt (von engl. snare drum), ist mittig vor dem Spieler platziert, das Hauptinstrument des Schlagzeugs. Sie kommt aus der europäischen Militärmusik und hat sich aus verschiedenen Formen von Marsch- und Rührtrommeln entwickelt.

Sie besitzt einen Kessel aus mehreren Holzlagen (meist 6 bis 10 Lagen) oder aus Metall, der auf beiden Seiten mit Fellen bespannt ist. Das obere Schlagfell ist meist leicht aufgeraut und weiß oder hellgrau beschichtet; das Fell auf der Unterseite ist ein glattes und deutlich dünneres Resonanzfell. Ursprünglich wurden echte Tierhäute eingesetzt, heute kommen fast ausschließlich industriell gefertigte Produkte aus Kunststoffen mit Metallreifen zum Einsatz.

Ihren charakteristischen Klang erhält die kleine Trommel durch eine Reihe parallel gespannter Drähte (Schnarrteppich oder Snareteppich), die entlang der Außenseite des Resonanzfelles, von einer Seite der Trommel zur anderen, gespannt sind. Der Schnarrteppich wird bei jedem Schlag in Schwingung versetzt und schlägt zurück auf das Resonanzfell, wodurch er den typischen Klang der Schnarrtrommel verursacht und bei Wirbeln einen dichten und vollen Klang entstehen lässt. Bei einem Einzelschlag eines Trommelstocks entsteht das Geräusch aus einer Kombination zweier Vorgänge: Dem Aufschlag des Stocks auf dem Schlagfell und dem dadurch ausgelösten Rückschlag des Schnarrteppiches auf das Resonanzfell. Mit Hilfe einer speziellen Mechanik (der Schnarrabhebung) kann der Schnarrteppich vom Fell abgehoben werden, wodurch er seinen Effekt verliert. Die Spannung des Schnarrteppichs lässt sich zudem unterschiedlich justieren, was eine Vielzahl unterschiedlicher Klangfarben ermöglicht.

Der Felldurchmesser beträgt meist 14 Zoll, gängige Kesseltiefen sind 5 oder 6,5 Zoll. Mittlerweile gibt es zudem Piccolotrommeln mit nur 8 oder 10 Zoll Durchmesser oder relativ flachen Kesseln, die häufig als zusätzliches Instrument (Side-Snare) eingesetzt werden.

Große Trommel

Große Trommel

Die große Trommel (auch Bassdrum oder Kickdrum) ist das zweite Hauptinstrument des Schlagzeugs. Sie besteht aus einem großen, meist beidseitig bespannten Holzkessel, der in Seitenlage ruht und durch zwei (für den Transport einklappbare) Beine am vorderen Ende in seiner Position gehalten wird. Die große Trommel wird mit Hilfe einer so genannten Fußmaschine bedient, die an der Schlagfellseite mit einer Klemmvorrichtung am Spannreifen der Trommel fixiert wird. Als Alternative zur Verwendung von zwei großen Trommeln (Doublebass) kann ein Doppelpedal genutzt werden, das durch mechanische Übertragung das Spielen mit beiden Füßen auf nur einer Trommel ermöglicht.

Das Resonanzfell an der Frontseite ist häufig mit Löchern versehen, um den Nachhall der Trommel zu vermindern und eine direkte Abnahme des Klanges durch ein Mikrofon in der Trommel möglich zu machen. Darüber hinaus werden häufig Kissen oder Decken in die Trommel gelegt, um sie zu dämpfen.

In der Anfangszeit des Schlagzeuges waren die großen Trommeln mit einem Durchmesser von 28 oder 30 Zoll sehr groß, ehe sich allmählich kleinere Größen durchsetzten. Lange Zeit war ein Kessel mit 14 Zoll Tiefe und 22 Zoll Durchmesser Standard, heutzutage werden 16 oder 18 Zoll tiefe Trommeln bevorzugt. Je nach Stilrichtung werden modernere Schlagzeuge mit unterschiedlich großen Bassdrums von 16 bis zu 26 Zoll Felldurchmesser ausgestattet.

Als Bass-Drum-Rosette wird die Befestigungsschelle bezeichnet, die zur Montage von Becken und Toms auf der Trommel benötigt wird. Bei manchen Schlagzeugen ist die Bassdrum ungebohrt, also ohne Rosette. Dies erlaubt der Trommel freier zu schwingen und erzeugt somit einen besseren Klang.

Tom Toms

14″-Standtom

Tom Toms sind meist beidseitig mit Fellen bespannte Trommeln mit Durchmessern zwischen 6 und 18 Zoll. Je nach Art der Aufhängung und Aufstellung bezeichnet man die Trommeln als Hänge-Toms (engl. „rack toms“), die ein Stativ oder eine Halterung auf der Bass-Drum benötigen, oder als Stand-Toms (engl. „floor toms“), die auf eigenen, am Kessel montierten Beinen stehen. Bei hochwertigen Toms ist die Halterung zur besseren Klangentfaltung so ausgestaltet, dass der Kessel nach dem Schlag frei ausschwingen kann (Freischwingsystem).

Das Verhältnis vom Kesseldurchmesser zur Kesseltiefe ist sehr unterschiedlich; Stand-Toms sind häufig tiefer als Hänge-Toms gleichen Durchmessers. Eine Sonderstellung nehmen die sogenannten Rototoms ein: Sie bestehen nur aus einem flachen Metallrahmen, auf den das Schlagfell gespannt ist; einen Kessel gibt es nicht. Eine Schraubkonstruktion macht es möglich, während des Spiels die Fellspannung zu verändern (durch Drehung des Rahmens) und so ein Glissando zu erzeugen. Roto-Toms waren vor allem in den 1980er Jahren verbreitet.

Manche Schlagzeuger, wie etwa Phil Collins, bevorzugen Toms ohne Resonanzfell (Concert-Toms). Diese haben eine sehr klar definierte Tonhöhe, vergleichbar mit Timbales. Concert-Toms waren vor allem in den 1970ern weit verbreitet.

Die Anzahl der Toms an einem Set ist stark abhängig von der jeweiligen Musikrichtung. Während in der Popularmusik und im klassischen Jazz oft nur zwei oder drei Toms verwendet werden, nutzen Schlagzeuger im Jazz-Rock und im Heavy Metal bis zu acht Toms. Dies variiert jedoch nach dem persönlichen Spielstil stark. Die meisten Standard-Sets werden mit drei Toms ausgeliefert: zwei Hänge-Toms (10 bis 13 Zoll) und einem Stand-Tom (14 bis 16 Zoll).

Becken

Im Prinzip lassen sich fünf Beckentypen unterscheiden. Entsprechend ihrer Klang-Charakteristik erfüllen diese unterschiedliche Funktionen im Drum set:

Ride-Becken

Das Ride-Becken (ride cymbal) hat meist einen Durchmesser von 16 bis 24 Zoll und kann vom Material her sehr unterschiedlich stark sein. Je nach Bearbeitung verfügen sie über einen relativ definierten Anschlag („ping“), der von einem Grundrauschen („wash“) unterlegt ist. Einige Becken klingen relativ trocken, andere dünnere erzeugen mehr Grundrauschen und dadurch einen eher undefinierten Klangteppich. Spielt man die Kuppe (engl. „bell“) an, so ertönt ein heller und klarer, glockenartiger Ton. Spielt man dagegen den Rand an, so wird der Obertonanteil entsprechend größer und das Becken kann sich aufschaukeln. Entsprechend ihrer Anwendungen gibt es einige Sonderformen, wie zum Beispiel Sizzle-Rides, die mit einigen Nieten ausgestattet sind, um ein fließendes, ausgeprägtes Grundrauschen zu erzeugen oder das Flat-Ride, das über keine Kuppe verfügt und somit weniger Obertöne hat.

Auf dem Ride-Becken werden meist ein durchgehender Puls, oder feste rhythmische Figuren (engl. „pattern“) gespielt.

Hi-Hat

Hi-Hat

Die Hi-Hat besteht aus einem Beckenpaar, das horizontal auf einem Ständer mit einem Pedal montiert ist. Dieses ermöglicht mittels eines Federzugs ein Öffnen und Schließen der Hi-Hat mit dem linken Fuß im Standard-Setup.

Das Schließen der Hi-Hat-Becken mit dem Pedal erzeugt einen vergleichsweise leisen Klang ähnlich dem einer Cabasa. Das Anschlagen mit einem Stick erzeugt im geschlossenen Zustand einen feinen Klang, im halboffenen Zustand einen raueren („rockigen“) Klang, im offenen Zustand einen lauten Klang ähnlich demjenigen eines Crash-Beckens. Je nachdem, wie lang der Kontakt der beiden Becken ist, entstehen unterschiedliche Klänge.

Auf der Hi-Hat werden meist ein durchgehender Puls, oder feste rhythmische Figuren („pattern“) gespielt. Sie wird oft als klangliche Alternative zum Ride-Becken verwendet.

Crash-Becken

16″-Crash-Becken (Bronze)

Crash-Becken (crash cymbal) sind im Vergleich zu Ride-Becken in der Regel dünner und kleiner (etwa 13 bis 20 Zoll Durchmesser) und von ihrer Bearbeitung her auf einen deutlich höheren Anteil von „weißem Rauschen“ ausgelegt. Ihr Klang ist eher geräuschartig. Deswegen wird sie oft für Akzente oder (zum Beispiel mit Filzschlegeln) für anschwellende Crescendo-Effekte verwendet. Abhängig von Größe und Bearbeitung klingen verschiedene Crash-Becken unterschiedlich lange nach.

China-Becken

Kegelförmige Kuppe eines China-Beckens

Das China-Becken (china cymbal, dt. „chinesisches Becken“) stellt insofern eine Ausnahme dar, als es sich – bedingt durch einen anderen kulturellen Hintergrund – in der Formgebung deutlich von den anderen Beckentypen unterscheidet. Die Kuppe ist häufig nicht gewölbt, sondern hat die Form eines Zylinders oder abgeschnittenen Kegels, dessen Grundfläche das obere Ende der Kuppe darstellt. Augenfälligstes Merkmal ist der hochgebogene Rand, der das Becken im Querschnitt wie eine Art lang gezogene Gugelhupfform aussehen lässt. Der Durchmesser liegt meist bei 14 bis 24 Zoll. Das Klangbild ist mit dem eines Crash-Beckens vergleichbar, allerdings eher „schmutziger“ oder „roher“ und kürzer. China-Becken werden häufig für kurze, explosive Akzente oder Staccato-Figuren eingesetzt. Vor allem im Bereich des Metals wird es einerseits als starkes Akzentbecken, vielfach aber auch als Hi-Hat- oder Ride-Ersatz eingesetzt. Größere, oft mit Sizzles versehene China-Becken haben auch im Jazz und der Big-Band-Musik Eingang als Ride-Becken gefunden. Um den Beckenrand zu schützen, werden diese meist verkehrt herum oder senkrecht aufgehängt, damit man den umgebogenen Rand flächig treffen kann. Des Weiteren ist das China-Becken (China-Type) das Becken mit der breitesten Palette an unterschiedlichen Klängen.

Splash- und Effekt-Becken

10″-Splash-Becken mit Tom-Halterung

Splash-Becken (splash cymbal) sind in Art und Funktion vergleichbar mit Crash-Becken, allerdings sind sie im Durchmesser deutlich kleiner (etwa 6 bis 12 Zoll), weshalb sie eine andere Klang-Charakteristik aufweisen: Splash-Becken sprechen rasch an, klingen hell, spritzig und klingen kaum nach. Sie werden für kurze, helle Akzente verwendet. Besonders Stewart Copeland und Manu Katché etablierten den Einsatz von Splash-Becken.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl verschiedener Effekt-Becken mit speziellen Formen oder Bearbeitungen wie Löchern oder Schellen, um das Klangspektrum des Drum set zu erweitern. Die Kreativität der Beckenhersteller ist unerschöpflich, ebenso die Vielfalt an Namen, unter denen Effekt-Becken vertrieben werden. Somit wird die Produktpalette an „Cups“, „Bells“, „Stacks“, „Mini-Chinas“, „Jingle-Hats“ oder ähnlichen Becken immer größer, wobei nicht alle Becken eindeutig einer Gruppen zugeordnet werden können. Cups oder Bells sind Becken, die einen Klang ähnlich der Glocke eines Ride-Becken erzeugen. Bei Stacks sind mehrere verschiedengroße Becken, direkt übereinander gelegt, um kurze dreckige Klänge zu erzeugen.

Standardgrößen

Die gängigen Trommel- und Beckendurchmesser sind:

BauartGröße
Große Trommel 22 Zoll (16 bis 30 Zoll)
Kleine Trommel 14 Zoll (8 bis 16 Zoll)
Tom Tom 10, 12 und 14 oder 12, 13 und 16 Zoll

(6 bis 18 Zoll)

Hi-Hat 14 Zoll (8 bis 16 Zoll)
Ride-Becken 20 Zoll (18 bis 24 Zoll)
Crash-Becken 16 Zoll (13 bis 24 Zoll)
Splash-Becken 10 Zoll (6 bis 12 Zoll)
China-Becken 18 Zoll (8 bis 26 Zoll)

Hardware

Typische Hardware: die Fußmaschine

Unter Hardware werden sämtliche Bedienelemente wie Fußmaschine, Beckenständer und Stative sowie die diversen Halterungen zusammengefasst. Auch mit dem Kessel fest verbundene Teile wie Spannböckchen, Snare-Abhebung und Bass-Drum-Füße fallen unter diesen Begriff.

Trommelstöcke

 
Ein Paar Trommelstöcke

Die Trommeln und Becken des Schlagzeugs werden per Hand mit zwei Trommelstöcken (engl. „drumsticks“) gespielt, die zumeist aus Holz bestehen, und die Basstrommeln mit einer Fußmaschine, einem Schlegel, der einen Filz- oder Kunststoffkopf besitzt. Per Hand kommen auch Rods (Ruten mit gebündelten Holz-Stöckchen, die wegen der Ähnlichkeit zu Sticks und Besen auch Stesen genannt) oder Besen zur Anwendung. Daneben finden sich für das Handspiel Schlegel mit Filz- oder Flanellköpfen für abgedämpftes oder dumpfes Spiel. Beim Spiel mit den Händen wird das Abprallen der Sticks von der schwingenden Oberfläche ausgenutzt, vor allem je dichter die Schläge werden (bis hin zum Wirbel). Um einen gedämpften Ton zu erzielen, werden besonders in der klassischen Musik die so genannten Mallets verwendet.

Materialien

Felle

Die Felle des Schlagzeugs wurden früher aus Naturfell hergestellt. Heutzutage bestehen sie gewöhnlich aus ein- oder zweilagiger Kunststofffolie. Sie werden auf den Trommelkessel mittels Spannreifen aufgespannt, die meist aus Metall gefertigt sind. Dies geschieht abhängig vom Kesseldurchmesser mit je vier bis zwölf Spannschrauben. Auf diese Weise lassen sich die Felle durch Veränderung der Straffheit in einer zum Musikstil passenden Tonhöhe stimmen. Das obere, bespielte Fell heißt Schlagfell, das untere wird als Resonanzfell bezeichnet. Man unterscheidet bei Fellen hauptsächlich zwischen durchsichtigen („clear“) und aufgerauten Fellen („coated“). Letztere erzeugen einen wärmeren Klang der Trommel und erlauben es, mit Schlagzeug-Besen beim Wischen ein Rauschen zu erzeugen. Während aufgeraute Felle früher oft nur auf der Schnarrtrommel verwendet wurden, findet man sie heute oft auch auf den anderen Trommeln. Außerdem gibt es Snarefelle mit sehr kleinen Löchern, die den Klang beeinflussen und die kleine Trommel trockener klingen lassen. Sie bezeichnet man mit dem Zusatz „dry snare“. Je mehr Spannschrauben zur Befestigung des Felles verwendet werden, desto präziser kann die Trommel gestimmt werden. Bekannte Hersteller von Fellen sind Remo, Evans und Aquarian.

Kessel

Die Kessel der großen Trommel und der Toms sind meistens aus Holz. Das populärste Holz ist Ahorn (Maple), das einen warmen und ausgewogenen Klang mit relativ starken Tiefen bietet. Daneben ist Birke aufgrund der hervorgehobenen Höhen in Tonstudios sehr beliebt. Im Gegenzug dazu bietet Mahagoni sehr kräftige Tiefen und reduzierte Höhen. Als weitere Hölzer verwendet man Buche, Pappel, Linde, Eiche und etliche andere Hölzer. Auch Holzgemische kommen vor. Heutzutage haben sich in einem Stück gegossene Acryl-Kessel zu einer interessanten Alternative zu den Holzkesseln etabliert. Bei billigen Schlagzeugen findet man unter anderem auch Pappkessel, die verklebt und gepresst sind. Diese reichen im Klang jedoch nicht an die Alternativen heran.

Die kleine Trommel besteht oft aus Metall oder ebenfalls aus Holz. Inzwischen bieten mehrere Hersteller zudem exotische Snares an, zum Beispiel mit größeren Löchern im Kessel („vents“), die für einen lauteren und knalligeren Klang sorgen.

Je geringer der Klangverlust im Kessel ist, desto besser und vor allem resonanter ist der Trommelklang. Daran lässt sich gute Qualität der Trommelkessel erkennen. Damit der Klang möglichst ohne Verluste auf die Kessel übertragen wird, sind Qualität und Form der Gratung ausschlaggebend; das ist die Kante des Kessels, auf der das Fell aufliegt. Während früher meist flache oder runde Gratungen vorherrschten, haben sich heute dünne und spitze Kanten durchgesetzt.

Bei hochwertigen Sets sind die Kessel oft lackiert, um sie optisch attraktiver zu machen. Dafür sollte die äußerste Holzschicht eine schöne Maserung aufweisen. Bei billigen Sets werden dagegen oft farbig bedruckte Folien verwendet, die auf den Kessel aufgeklebt sind. Auch hochwertige Sets können foliert sein, um ein entsprechendes Aussehen zu erzielen. Die Verwendung solcher Folien kann jedoch die Soundqualität beeinträchtigen, wenn die Folien schlecht verklebt sind und den Kessel so am Schwingen hindern.

Becken

Die Becken bestehen in der Regel aus Legierungen wie Messing oder verschiedenen Bronzen, wie Kupfer-Nickel-Bronze und Zinn-Bronze. Der Zinn-Gehalt variiert von 8 % bis hin zur Glocken-Bronze mit 20 %. Darüber hinaus enthalten viele hochwertige Becken einen geringen Anteil an Silber. Zu früheren Zeiten existierten auch sogenannte Sterlingsilber-Becken, welche, dem Namen gerecht, silbrig schimmerten und aus der namensgleichen Legierung bestanden. Sie waren jedoch höchstens in der Unterklasse der Becken einzuordnen. Bekannte Hersteller von Becken sind Zildjian, Meinl, Sabian und Paiste. Im Schatten dieser vier großen Beckenschmieden haben sich weitere Hersteller, wie zum Beispiel Masterworks, Anatolian und Ufip etabliert.

Trommelstöcke

Die Trommelstöcke werden aus Holz (meistens Hickory), Kunststoff oder Kohlefaser (Carbon-Sticks) und selten aus Metall gefertigt. Rods bestehen aus mehreren dünnen Holz- oder Plastikstöckchen, die zu einem Bündel zusammengebunden sind. Die Besen sind meist aus Kunststoff oder Metall. Die Schlegel werden meist aus Holz oder Kunststoff angefertigt; für den Kopf wird Filz oder Fell verwendet. Auch im Bereich der Trommelstöcke existieren eine Vielzahl von Herstellern. Zu den Bekanntesten zählen dabei Promark und Vic Firth. Darüber hinaus werden auch von Herstellern anderer Schlagzeugteile Trommelstöcke vertrieben. So gibt es beispielsweise auch Serien des Beckenhersteller Zildjian oder des deutschen Schlagzeugbauers Sonor.

Geschichte

Joe LaBarbera spielt Schlagzeug

Maßgeblich für die Entstehung des Schlagzeugs ist die Erfindung des ersten Bass-Drum-Pedals im Jahre 1887 durch J. R. Olney. Darauf folgt im Jahre 1899 die Herstellung des ersten Serienprodukts durch William F. Ludwig und auf kulturellem Gebiet die „No-Drumming-Laws“ in den USA. Diese verboten es den Sklaven, ihre traditionellen Handtrommeln zu spielen und führte dazu, dass die afrikanische stark rhythmische Musikkultur mit europäischen und orientalischen Schlaginstrumenten gepflegt wurde. Das erste komplette Schlagzeug kam 1918 durch die Ludwig Drum Corporation in den Handel.

Wie in vielen anderen Wirtschaftsbranchen setzten sich auch in Schlagzeugherstellung und -vertrieb die Internationalisierung und Globalisierung durch. Bis in die 1960er kamen die Spitzenprodukte vor allem aus den USA (Ludwig, Gretsch), Großbritannien (Premier) und Deutschland (Sonor, Trixon).

Ab den 1960ern jedoch machten Billigprodukte zunehmend Konkurrenz. Billig-Schlagzeuge kamen zunächst aus Japan, später aus Taiwan und Südkorea. Japan und Taiwan boten schon ab den 1970ern Spitzenprodukte an (Tama, Yamaha), welche die Spitzenschlagzeuge aus den USA, Großbritannien und Deutschland auf dem Markt bedrängten und schließlich große Marktanteile von den traditionellen Herstellern übernommen haben.

Im Laufe der 1980er wurde besonders Taiwan immer mehr zum günstigst produzierenden Hardware-Zulieferer fast jedes Schlagzeugherstellers auf der Welt. Mit der Globalisierung ab etwa 1990 drehte sich das internationale Abhängigkeitsverhältnis quasi um: Ehemalige Spitzenproduzenten kamen in die Abhängigkeit früherer Billigproduzenten (wie beispielsweise Sonor in chinesische Kapitalabhängigkeit).

In jüngster Zeit drängt Brasilien mit preisgünstigen Schlagzeugen der Marke RMV in relativ hoher Qualität auf den internationalen Markt.

Elektronisches Schlagzeug

Elektronisches Schlagzeug

Das elektronische Schlagzeug (kurz E-Drums) wird wie das klassische Drumset gespielt. Die Töne entstehen jedoch nicht beim Schlag auf ein Instrument, sondern werden durch den Schlagimpuls ausgelöst, (zumeist digital) in einem Soundprozessor erzeugt und können über Lautsprecher oder Kopfhörer ausgegeben werden. Zu diesem Zweck sind alle bespielten Komponenten mit elektronischen Tonabnehmern ausgestattet. Der entstehende Sound ist abhängig vom verwendeten Soundprozessor bzw. der Art und Qualität der verwendeten Soundvorlagen (Samples); er kann dem Klang eines herkömmlichen akustischen Schlagzeugs sehr nahe kommen, bietet im Vergleich zu diesem jedoch noch nicht alle möglichen spielerischen Feinheiten. Neben dem aufwendigeren Aufbau und dem teilweise höheren Anschaffungspreis des elektronischen Schlagzeugs ist dies der Grund, dass heute beide Formen nebeneinander verwendet werden. Das elektronische Schlagzeug ist nicht mit dem Drumcomputer zu verwechseln, der die Klänge der Instrumente ohne Interaktion mit einem Schlagzeuger nachahmt.

Der größte Vorteil des elektronischen Schlagzeugs ist sein fast völlig fehlender Eigenklang ohne Verstärkung. Es eignet sich deswegen für den Einsatz unter schwierigen akustischen Verhältnissen. Einsatzbeispiele sind Popmusik in Zimmerlautstärke bei entsprechenden Veranstaltungen, das Üben ohne Lärmbelästigung der Nachbarn beim Spiel mit Kopfhörern und Musicalproduktionen, bei denen eine extrem geringe Bühnenlautstärke erforderlich ist. Ein weiterer Vorteil des elektronischen Schlagzeugs ist die Erzeugung der Klänge verschiedenster Schlagzeug- und Perkussionsinstrumente mit nur einem Set.

Spielpraxis

Funktion des Schlagzeugs

Die Hauptfunktion des Schlagzeuges in einer Band ist das Erzeugen eines Grundrhythmus, der die Band trägt und gemeinsam mit den anderen Instrumenten der Rhythmusgruppe (Bass und Keyboard) den tragenden Groove ergibt. Dazu setzt der Schlagzeuger in der Regel eine feste Schlagfolge ein, die immer wieder wiederholt wird. Die Basis des tragenden Rhythmus ist dabei die Abwechslung zwischen dem tiefen Klang der Bass-Drum und dem hohen Klang der kleinen Trommel.

Neben dieser grundlegenden Funktion wird mit höherer Komplexität der Musik etwas Anderes immer wichtiger: Das Schlagzeug baut Verzierungen ein, betont und hebt durch Effekte und Abwandlungen, wie den rhythmischen Fills, Stellen hervor. Hier kommen meist Crashbecken oder andere Effektbecken zum Einsatz. Auch der Einsatz von Wirbeln und Rudiments auf der kleinen Trommel zielen auf diesen Effekt ab. Der Gipfel der Verzierung und Betonung ist das Schlagzeugsolo während dem die anderen Instrumente der Band in den Hintergrund treten.

Notation

Typischer drum key (in der heutigen Schreibkonvention)

Aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten, die verschiedenen Schlaginstrumente zu kombinieren und aufzubauen, hat sich bis heute keine verbindliche Notation durchgesetzt. Dies führt dazu, dass am Anfang von Schlagzeugnoten die Notation erläutert werden muss. Diese Beschreibung wird als drum key bezeichnet.

Dazu gibt es mehrere Schreibkonventionen: Anstelle der gängigen Notenschlüssel wird ein so genannter neutraler Notenschlüssel verwendet, da viele Schlaginstrumente nicht auf eine Tonhöhe gestimmt sind. Zudem werden die metallenen Einzelinstrumente (wie Becken) mit x-förmigen Notenköpfen dargestellt, während die Trommeln runde Notenköpfe erhalten. In der Anordnung der Instrumente im Notenbild sind die relativen Tonhöhen der Instrumente zueinander ablesbar. Es ist zudem üblich, die Teile des Sets, die mit den Füßen gespielt werden in den unteren Teil des Notensystems zu setzen, während diejenigen, welche über Stöcke mit den Händen gespielt werden, weiter oben stehen. Hinsichtlich dieser Unterscheidung bildet die Hi-Hat eine Ausnahme, da sie sowohl mit Füßen als auch mit Händen angespielt werden kann.

Wird jedes Instrument als Einzelstimme notiert, erscheint eine komplexe Schlagzeugfigur schnell unübersichtlich. Pausenzeichen werden daher in der Praxis nicht nach festen Regeln gesetzt, sondern je nach Einzelfall im Bemühen um optimale Lesbarkeit. So behandelt das folgende Notenbeispiel das Schlagzeug als ein einziges Instrument:

Einfacher Achtelnoten-Beat

Analysieren und Lernen

Das Analysieren und Lernen steht in engen Zusammenhang mit dem Aufbau eines Drumsets. Das Schlagzeug unterscheidet sich von der Masse anderer Instrumente dadurch, dass es nicht nur mit beiden Händen, sondern auch mit beiden Füßen gespielt wird. Zudem ist es nicht ein einzelnes Instrument, sondern ein System aus mehreren Instrumenten, die für Hände und Füße bequem erreichbar und schnell schlagbar sein müssen. Auf der Snare können die Schlagfiguren grundsätzlich erlernt werden, die dann im nächsten Schritt auf dem ganzen Schlagzeug und besonders in das Wechselspiel von Snare und Bass-Drum umgesetzt werden. Dieser Übertragungsprozess wird mit Hand-Fuß-Koordination umschrieben und ist wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses. Jedoch ist erst die Kombination aus beidem, das heißt aus Figuren auf der Snare (und auch auf den Toms) und kompletten Grooves auf Hi-Hat, Snare und Bass-Drum die Grundlage für das Trommeln in einer Band.

Das Analysieren und Lernen erfolgt oft praktisch anhand eines Musikstückes. Hier gilt es, zuerst die Taktart und die Form des Stückes herauszuhören. Anschließend analysiert und erlernt man eine passende Begleitung auf dem Schlagzeug und spielt es später zusammen mit anderen Instrumenten. Dieser Prozess kann durch Unterricht unterstützt werden. Dieser vermittelt das besonders in größeren Musikgruppen wichtige Aufzeichnen des Gespielten mithilfe von Schlagzeugnoten. Auch können so wichtige Grundkenntnisse der allgemeinen Musiklehre und die richtige Körperhaltung am Schlagzeug von Grund auf richtig erlernt werden.

Pädagogik

Das Spielen des Schlagzeuges kann an den meisten Musikschulen erlernt werden. Eine weitere verbreitete Art des Unterrichts sind private Schlagzeuglehrer. Als professionelle Fortsetzung des Unterrichts ist es möglich, das Schlagzeugspiel zu studieren. Diesen Weg bieten neben den staatlichen Hochschulen auch private Institute wie das Drummers Focus an.

In der Musikpädagogik spielt das Schlagzeug eine große Rolle. Neben dem Einsatz zum Abbau von Aggressionen, besonders für jüngere Kinder, kann das Schlagzeug zur Vermittlung von grundlegendem Musikverständnis wie Takt und Rhythmus eingesetzt werden. Aufgrund der schnellen Erfolgserlebnisse ist der Motivationsgrad bei Anfängern sehr hoch. Dieser Motivationsgrad muss jedoch unbedingt gefördert werden, da die Komplexität weiterer Lerninhalte stark zunimmt. Somit trägt der Schlagzeuglehrer eine große Verantwortung. Durch eine korrekte und von Lehrerseite motivierte und motivierende Förderung sowie durch die Vielseitigkeit und Komplexität des Schlagzeugspieles kann eine große Langzeitmotivation entstehen. Diese kann und sollte durch den Einsatz in einer größeren Instrumentengruppe wie einer Band noch verstärkt werden.

Glockenspiel (Musikinstrument)

Einfaches Glockenspiel
Modernes Glockenspiel mit Gehäuse

Das Glockenspiel ist ein Stabspiel aus der Gruppe der Metallophone. Es besteht aus einer Reihe Metallstäben bzw. -platten von unterschiedlicher, der Tonhöhe entsprechender Länge. Der Anschlag erfolgt mit zwei Schlägeln.

Umgangssprachlich wird ein solches Instrument oft fälschlicherweise als Xylophon bezeichnet, was jedoch der Wortbedeutung (von griech.: ξύλος [xylos] = Holz) widerspricht.

In der Musikalischen Früherziehung wird das Instrument für den Unterricht im elementaren Instrumentalspiel verwendet. Auch in Schulen wird es oft als Lehrmittel eingesetzt.

Xylophon

Kulintang a kayo, ein Xylophon von den Philippinen
Kamerun, ca. 1914
Europäisches Kinderxylophon

Das Xylophon (griech.: ξύλον xylon Holz; φωνή phōnē Stimme) ist ein Idiophon, das mit Schlägeln gespielt wird. Es gehört zur Familie der Stabspiele (engl. mallet percussion), zu deren wichtigsten Vertretern in Europa neben dem Xylophon das Marimbaphon (Marimba), das Glockenspiel und das Vibraphon zählen.

Der Ursprung des Xylophon liegt in Asien und Afrika. Anfang des 16. Jahrhunderts war es in Deutschland als Hölzernes Gelächter bekannt (vgl. Strohfiedel).

    
Bauart

Das Xylophon besteht zum Beispiel aus einer Reihe von Hartholzstäben (meist Palisander), durch deren unterschiedliche Länge, die Tonhöhe festlegt ist. Der Anschlag erfolgt in der Regel mit zwei löffelartigen Holzschlägeln.

Bei der älteren trapezförmigen Bauart sind die Klangstäbe chromatisch, diatonisch oder pentatonisch in einer Reihe angeordnet. Die einreihige diatonische oder pentatonische Anordnung wird weiterhin für musikpädagogische Zwecke verwendet (siehe z. B. Orff-Schulwerk). Im professionellen Bereich werden die chromatischen Holzplatten meist in zwei Reihen in der Art einer Klaviatur angeordnet, wobei die vom Spieler aus betrachtet hintere Reihe den schwarzen Tasten des Klaviers entspricht.

Bezüglich der Bauart wird zwischen Schenkelxylophon, Bügelxylophon, Holmxylophon und Trogxylophon unterschieden. Beim Holmxylophon liegen die Stäbe quer auf zwei Balken (Holm), beim Trogxylophon auf einem Kasten (Trog), der auch als Resonanzkörper dient.[1]

Klang

Der Ton des Xylophons ist kurz und perkussiv; längere Notenwerte können annähernd simuliert werden, indem der Spieler mit zwei Schlägeln wirbelartig einen Holzstab anschlägt. Die Klangfarbe wird als trocken, hell und beim schnellen Spiel als klappernd wahrgenommen, und wurde oft mit Geisterhaftem und Gespenstischem in Verbindung gebracht.

Bedeutung

Das Instrument wurde zum ersten Mal im Danse macabre von Camille Saint-Saens (1874) in der sinfonischen Musik eingesetzt.[2] Es findet auch in der Tanz- und Unterhaltungsmusik Verwendung. Bekannte Beispiele sind der Säbeltanz aus dem Ballett Gayaneh von Aram Chatschaturjan, Orffs Carmina Burana, der Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns sowie das berühmte Solostück Erinnerungen an Zirkus Renz.

In vielen außereuropäischen Musikkulturen nehmen das Xylophon und seine Verwandten eine wichtige Stellung ein. Die Marimba gilt als Nationalinstrument Guatemalas, in Afrika sind ähnliche Instrumente weit verbreitet, in Westafrika als Balaphon, im Süden von Uganda als Amadinda mit zwölf und als Akadinda mit 22 Klangstäben. Im indonesischen Gamelan wird das Gambang neben Stabspielen aus Metall gespielt.

Verwandte Instrumente

Dem Xylophon verwandt sind das Metallophon (mit Metallstäben) und das Lithophon (mit stabförmigen Steinen); ein bekanntes Lithophon ist das Musical Stones of Skiddaw aus dem Keswick Museum and Art Gallery in Keswick. Es wurde während der Jahre 1827 bis 1840 konstruiert.

Werke für Xylophon

Jules Blangenois: Introduction et Mazurka für Xylophon und Orchester (1901) (Melos.de Bibliothek)

Kesselpauke

Üblicher Orchesteraufbau mit vier Pedalpauken (plus einer Piccolopauke), hier mit Naturfellen (Kalb)

Die Pauke (italienisch: timpano, französisch: timbale, englisch: kettledrum „Kesseltrommel, -pauke“) ist ein Schlaginstrument aus der Gruppe der Membranophone. Die paarweise Verwendung ist üblich; einzelne Musikstücke erforderten aber schon seit dem 18. Jh. vier oder mehr Instrumente.

Die Pauke besteht meist aus einem fast halbkugeligen Kupferkessel, der mit einem Fell aus Kunststoff oder Tierhaut bespannt ist. Aus der Musikgeschichte und dem Orff-Schulwerk sind jedoch auch runde und sogar eckige Pauken aus Holz bekannt. Ferner gibt es heute auch Paukenkessel aus Kunstmaterialien (z. B.: Fiberglas) oder Aluminium. Der Kessel hat unten in der Mitte ein kleines Loch, welches dem Luftaustausch beim Auf- und Ab-Schwingen des Fells dient. Durch einen Mechanismus, der entweder unten am Fuß, im Paukeninneren, oder unter dem Rand angebracht ist, kann das Fell verschieden stark gespannt werden; so lässt sich – im Unterschied zur Trommel – die Tonhöhe des Klanges während des Spielens verändern.

Formen

Form der Pauke zur Bachzeit (ausgestellt in der Thomaskirche zu Leipzig)
Kurbelpauken

Stimmung

Pauken, bei denen das zeitraubende Anziehen der einzelnen Schrauben durch eine sogenannte „Maschine“ ersetzt ist, welche auf die ganze Peripherie gleichmäßig wirkt, heißen Maschinenpauken. Bei den Pedalpauken lässt sich die Tonhöhe mit Hilfe eines Pedals regeln. Somit ist der Paukist in der Lage, die Stimmung während des Spielens stufenlos zu verändern (Glissando). Eine weitere Sonderform ist die Wiener Pauke, bei der mittels eines Handrades nicht das Fell, sondern der Kessel durch Hebelbewegung auf und nieder bewegt wird.

Heute benutzt man Pauken in fünf verschiedenen Größen mit einem Tonumfang von Des–B, F–d, B–fis, es–a und g–d’.

Bespannung

Weltweit haben sich für die Bespannung der Pauken Kunststofffelle (Plastikfelle) durchgesetzt. In den großen Spitzenorchestern der klassischen Tradition in Österreich, Deutschland und der Schweiz sowie in den USA, Großbritannien, Australien, Japan, Skandinavien und in Teilen Frankreichs wird jedoch weiterhin auf Naturfellen gespielt. In Österreich, in der Schweiz und auch in Teilen Skandinaviens sind dies meist geschärfte Ziegenfelle, in Deutschland und in den übrigen Ländern meist imprägnierte gespaltene Kalbsfelle (aus Celbridge, Irland).

Verwendung

Meist werden im Orchester zwei bis vier Pauken nebeneinander gebraucht; in neuerer Zeit werden zur Realisierung schnell aufeinanderfolgender, unterschiedlicher Töne bis zu zehn Pauken von einem Paukisten (Gruber: „Charivari“), bis zu sechzehn Pauken von zwei und mehreren Paukisten gespielt. Schon im Barock gab es Solo-Stücke für ein oder mehrere Paukisten (Gebrüder A. D. und A. D. P. Philidor, Babelon, um 1690). Bei Wagner, Strauss, Mahler und Nielsen gibt es Werke, in denen zwei Paukisten beschäftigt sind. Berlioz setzte in seiner Symphonie Fantastique vier und in seinem Requiem (Grande messe des morts) sogar zehn Paukisten ein.

Die Schlägel der Pauke haben Köpfe aus Filz, Leder, Flanell, Kork oder Holz. Somit kann der Spieler unterschiedliche Klangnuancen von weich (Filz) bis hart (Holz) realisieren. Für besondere Effekte kann die Art der Schlägel vorgeschrieben sein. Die gelernten Kunstpauker bedienen sich zahlreicher so genannter Schlagmanieren oder Kunstschläge (einfache Zunge, Doppelzunge, getragene Zunge [von den Blasinstrumenten entlehnte Ausdrücke], Doppelkreuzschläge, Wirbel usw.), in welche sie auch bei Aufzügen, Intraden und anderen Stücken die nur einfach vorgeschriebenen Noten auflösen (Altenburg: Versuch einer Anleitung zur heroisch-musikalischen Trompeter= und Pauker=Kunst, Halle 1795 – J. CH. Hendel Verlag). Diese Technik wird in der Musikliteratur bis zur frühen Romantik angewendet. Spätestens mit der Wandlung der Klangvorstellung (Berlioz, von Weber) hat sich das Anschlagsmittel und mit ihm die Technik verändert. War bis dahin der Holzschlägel tonangebend, so ist jetzt der Schwammschlägel Trumpf, aus dem sich der heute hauptsächlich gebräuchliche Filz- oder Flanellschlägel entwickelte. Aus dem von der Trommeltechnik abgeleiteten Doppelschlagwirbel (RR LL), bei dem man deutlich die Zweiergruppierung heraushörte, entwickelte sich der Einschlagwirbel (RLRL), der möglichst ebenmäßig und ohne hörbare Akzentuierung auszuführen ist.

Entwicklung

Die älteste bekannte Kesseltrommel ist die seit altbabylonischer Zeit in Mesopotamien in einem Stieropferkult verwendete heilige Trommel Lilissu. Die Pauke hieß nach dem Alten Testament bei den Hebräern Toph oder Aduse. Bis zu den von Praetorius als „ungeheure Rumpelfässer“ geschilderten Heerpauken des 16. und 17. Jahrhunderts (Syntagma Musicum II, De Organographia 1619) und unseren Konzertpauken sind Kesseltrommeln bei allen Völkern in den verschiedenartigsten Gestalten und Formen zu finden. Von den Persern und Türken soll das Instrument ins Abendland gekommen sein.

Früher, als man von der Pauke noch spärlichen Gebrauch machte und sie regelmäßig auf Tonika-Dominante (Quint- oder Quartstimmung) abstimmte, behandelte man sie in der Notierung wie ein transponierendes Instrument, d. h., man schrieb am Anfang die Stimmung vor: Timpani in Es–B oder in D–A, B–F usw., man notierte aber stets mit C–G oder vielmehr c–G. Von diesem Gebrauch kam man ab, als die Komponisten auch über die Quarte oder Quinte hinausgehende Töne verlangten (Beethoven: Fidelio A–es, 7. Sinfonie A–f, 8. und 9. Sinfonie F–f).

Im 18. Jahrhundert stand die Paukenvirtuosität in voller Blüte, als bspw. fürstliche Hofpauker auf bis zu vierzehn Pauken Konzerte gaben, wobei sie während des Schlagens noch die Klöppel in die Luft warfen und im Takt wieder auffingen. (Werke von J. C. Ch. Fischer, J. Ch. F. Fischer, J. K. F. Fischer, Družecký (Druschetzky), Endler, Graupner, Molter)

Als Solokonzert-Instrument kommt die Pauke heute eher selten vor. Zu den wenigen Beispielen zählen: Capriccietto für vier Pauken und Streichorchester (um 1932) von Gerster, Konzert für Pauke und Orchester von Thärichen (1954), Der Wald – Konzert für Pauke und Orchester von Matthus (1984) oder auch das Konzertstück für Pauken und Orchester von Kagel (1990 bis 1992).

Die Schraubenpauken gelten als Urtypus der heute gespielten Instrumente, da sie mittels der Schrauben mit wenigen Handgriffen auf einen anderen Ton umgestimmt werden konnten. Sie waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Gebrauch und werden heute wegen ihres „Originalklanges“ wieder häufiger, vor allem von Orchestern mit historischem Klangbild, in Konzerten eingesetzt. 1836 baute Einbigler (Frankfurt) die erste so genannte Maschinenpauke, eine Konstruktion, bei der das Umstimmen über ein zentrales Kurbel-Hebel-System (Kurbel-/Hebel-System) gelöst wurde. Das Stimmen und vor allem das Umstimmen war schneller und einfacher geworden. Pauken dieses Systems werden heute wieder vermehrt in Werken mit wenig Umstimmaufgaben ihres speziellen Klangbildes wegen eingesetzt. Die um 1850 in verschiedenen Varianten entstandene Dreh-Kessel-Pauke hat sich im symphonischen Bereich nicht durchgesetzt. Die große Veränderung brachte die Erfindung der Pedalpauke um 1880. Es ist nicht gesichert, wer die erste Pedalpauke baute. Das Patent von Pittrich stammt aus dem Jahre 1881 und ist wegweisend für alle nachfolgenden Pedalsysteme gewesen. Nun konnte man die Pauke stufenlos und schnell mit dem Fuß umstimmen. Der Pauker hatte während des Umstimmvorgangs jetzt beide Hände frei und konnte, was neu war, ein gewirbeltes Glissando ausführen. Strauss war einer der ersten Komponisten, der diese neue Technik verwendete (Salomé). Bartók hat den Effekt des gewirbelten Glissandos in seiner Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug besonders wirkungsvoll eingesetzt. Richard Strauss war aber auch von einem anderen Paukentypus begeistert, nämlich von jenem der „Wiener Pauke“. Es handelt sich dabei um eine Handhebelpauke, die vom Solopauker der Wiener Philharmoniker Hans Schnellar (1865–1945) erfunden wurde und von seinen Nachfolgern Richard Hochrainer und Wolfgang Schuster wesentlich weiterentwickelt wurde und auch gegenwärtig von Wolfgang Schuster in Wien produziert wird. Bei dieser Konstruktion drückt ein Mechanismus den Kessel gegen das fixierte Fell um eine bestimmte Tonhöhe zu erzielen. Richard Strauss wie auch andere Komponisten, wie zum Beispiel Gustav Mahler, zeigten sich begeistert von der Wiener Pauke und ihrem Klang, der nicht zuletzt auf die Verwendung von Ziegenpergament zurückzuführen ist.

Berühmte Paukisten

  • Anatoli Iwanow

Röhrenglocken

Röhrenglocken, wie sie in Orchestern verwendet werden

Röhrenglocken sind längliche, hohle Metallstäbe. Diese Idiophone werden als Musikinstrument eingesetzt. In Orchestern werden sie häufig in pompösen Werken, aber auch in Kirchenliedern (meist zur Imitation von Kirchenglocken) verwendet. Gespielt werden sie dabei vom Percussionisten.

Bei der Orchester-Variante der Röhrenglocken sind die einzelnen Glocken auf einem Ständer angebracht, auf dem die chromatische Folge der Röhrenglocken analog zu einer Klaviertastatur angeordnet ist. Auf einem solchen Ständer sind in der Regel 1½ bis 2 Oktaven angebracht. Die Länge der einzelnen Röhren variiert je nach Tonhöhe von ca. 75 cm (f’’ – kürzeste Röhre) bis ca. 155 cm (c’ – längste Röhre). Die Röhren bestehen aus verchromtem Messing oder Stahl und haben in der Regel einen Durchmesser von 3–4 cm bei einer Wanddicke von wenigen Millimetern (ca. 2 mm).

Gespielt werden Röhrenglocken mit einem speziellen Hammer aus Hartplastik oder besonders festem Gummi. Angeschlagen werden sie in der Regel am oberen Rand, der mit einer Metallverstärkung versehen ist.

In einigen englischen Kirchen wurden im 20. Jahrhundert die „normalen“ Glocken durch Röhrenglocken ersetzt. Im englischen Sprachraum sind die Röhrenglocken als tubular bells bekannt. Nach ihnen benannte der britische Musiker Mike Oldfield sein Debüt-Album Tubular Bells (1973).

Im Kreis angeordnete (und gewöhnlich deutlich kleinere) Röhrenglocken ergeben ein Windspiel.

Liste der Schlaginstrumente

Posaune
engl.: trombone, ital.: trombone
Posaune.jpg
Klassifikation Aerophon
Blechblasinstrument
Tonumfang Trombone range.svg
Verwandte Instrumente Trompete, Tenorhorn
Musiker
Liste von Posaunisten
Kategorie:Posaunist

Die Posaune ist ein tiefes Blechblasinstrument, das aufgrund seiner weitgehend zylindrischen Bohrung (enge Mensur) zu den Trompeteninstrumenten zählt.

Aufbau und Funktion

Aufbau der meisten Posaunen
Trombone-2.svg
  1. Stimmzug
  2. Ausgleichsgewicht
  3. Mundstück
  4. Verschlussring
  5. Schallbecher
  6. Knopf
  7. Wasserklappe (kurz)
  8. Zug
  9. Quersteg (Außenzug)
  10. Quersteg (Innenzug)
  11. Überwurfmutter
Kesselmundstück einer Posaune

Die Posaune besteht aus einem S-förmig gebogenen zylindrischen Rohr, in das an einem Ende ein Mundstück eingesetzt wird und das sich am anderen Ende zum Schalltrichter öffnet (auch: Stürze oder Schallbecher).

Alle Bauformen der Posaune werden mit einem Kesselmundstück gespielt.

Dank ihrer Mensur klingen die Töne der Posaune härter als bei den Instrumenten der Bügelhornfamilie, die ein sanfteres Klangvolumen zeigen. Die Mensur wirkt sich auch auf die Schallenergie aus. So wird der Schall bei einer Posaune stärker gebündelt als beispielsweise bei einem Tenorhorn.

Der Ton entsteht wie bei allen Blechblasinstrumenten durch die Vibration der Lippen des Spielers am Mundstück zur Anregung stehender Wellen in der Luftsäule des Instruments.

Die dynamische Spannbreite liegt bei etwa 37 dB. Die Schallpegel nehmen in allen Dynamikstufen zur Höhe hin zu. In 16 Metern Entfernung erreichen die Werte beim pp 40 dB in der Tiefe und 70 dB in der Höhe. Die Werte im ff liegen bei 85 dB und 100 dB. Am Ohr des Spielers erreicht das Instrument Spitzenwerte von über 115 dB.

Geschichte
Die Posaune entstand in ihrer jetzigen Form bereits um 1450 in Burgund als Weiterentwicklung der Zugtrompete und ist neben der Violine eines der ältesten voll chromatisch spielbaren Orchesterinstrumente.

Weil eine Naturtrompete (Tromba) mit dem Grundton b eine unhandliche Länge von etwa 1,37 Meter (4,5 Fuß) aufweist, wurden die Instrumente in S-Form gebogen, gerollt oder in „Brezelform“ hergestellt. Der englische, französische und italienische Name des Instruments trombone bedeutet wörtlich nichts anderes als „große Trompete“. Der deutsche Name entwickelte sich aus der altfranzösischen Bezeichnung „buisine“.

Renaissance

Bis etwa 1700 wurde die Posaune als genau intonierbares Blasinstrument häufig im Ensemble mit Sängern und Streichern, aber auch eigenständig eingesetzt. In Bläserensembles dieser Zeit („Alta capella“, Stadtpfeifer) wurden neben anderen damals gebräuchlichen Instrumenten wie Zinken, Schalmeien und Zugtrompeten eben auch (Renaissance-)Posaunen gespielt. Sie traten in der Regel bei gesellschaftlichen, mitunter auch kirchlichen, jedoch weniger bei höfischen Anlässen auf und griffen mangels spezieller Kompositionen häufig auf Vokalmusik zurück, auch zur Tanzbegleitung.

Barock

Vier Barockposaunen in Tenor-, Alt-, Tenor-, und Basslage (v.l.n.r.)

Der europäische Adel bevorzugte traditionell Saiten- und Streichinstrumente zur Unterhaltungsmusik, eine Präferenz, die mit steigendem Wohlstand auch von bürgerlichen Schichten zunehmend imitiert wurde. Dadurch kam es im 17. Jahrhundert zu einem gewissen Rückgang der Bläsermusik, im Zuge dessen die Posaune in weiten Teilen Europas aus der Mode geriet. So wurde sie beispielsweise in italienischen Kanzonen und Sonaten ab 1630 kaum mehr besetzt. Nicht zuletzt infolge des 30-jährigen Krieges ist über die Musik und die Komponisten dieser Zeit heute jedoch weniger bekannt als über andere Epochen. Johann Sebastian Bach sah nur in 15 seiner überaus zahlreichen Kantaten Posaunen vor und setzte sie lediglich zur Verdoppelung der Chorstimmen ein.

18. und 19. Jahrhundert

Eine bemerkenswerte Ausnahme dieses Trends bildet das Oratorium La Resurrezione des jungen Georg Friedrich Händel aus dessen Zeit in Italien. Händel griff auch in seinen späteren Oratorien Saul und Israel in Egypt von 1739 wieder auf Posaunen zurück und inspirierte damit möglicherweise Christoph Willibald Gluck dazu, das Instrument in seinem Ballett Don Juan (1761) sowie Orfeo ed Euridice (1762) und seinen späteren Opern einzusetzen. Gluck wiederum bildete eine Inspiration für Mozart.

Dieser komponierte noch für die Renaissanceposaune (auch „Sackbutt“ genannt), die er nicht nur in einigen Opern (unter anderem der Zauberflöte) verwendete, sondern etwa auch in seinem Requiem. Es enthält mit dem Tuba mirum eine der bekanntesten solistisch geprägten Orchesterpassagen für die Tenorposaune.

Die ersten „modernen“ Posaunen, die auch das metallische Forcieren des Klanges ermöglichten, wurden erst nach Mozarts Tod gebaut. Erst seit dieser Zeit wird die Posaune auch im Satz mit Trompeten eingesetzt.

Das klassische Sinfonieorchester ging aus dem Opernorchester hervor, doch obgleich die Posaune bereits im 18. Jahrhundert von einigen weniger bedeutenden Komponisten einbezogen worden war, blieb es Beethoven vorbehalten, sie dort zu etablieren. Er besetzte sie erstmals im vierten Satz der 5. Sinfonie.

Seit der romantischen Epoche umfasst die übliche Besetzung eines Sinfonieorchesters zwei Tenorposaunen und eine Bassposaune. Im modernen Blasorchester sind vier Posaunenstimmen üblich.

Zu den wichtigsten Solokonzerten für Posaune zählen die in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen Werke von Ferdinand David, Ernst Sachse und Friedrich August Belcke. Der überwiegende Teil der Sololiteratur für die Posaune entstammt jedoch dem 20. Jahrhundert, wie etwa die Sonate für Posaune und Klavier von Paul Hindemith.

20. Jahrhundert

In der klassischen Musik des 20. Jahrhunderts behielt die Posaune ihre bedeutende Stellung im Sinfonieorchester und erhielt markante Passagen in Werken praktisch aller bedeutenden Komponisten dieser Epoche.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckten Komponisten das Instrument nach und nach auch wieder neu als Solo-Instrument und für die Kammermusik. Stücke wie Edgar Varèses Octandre, Paul Hindemiths Sonate und Luciano Berios Sequenza V bereiteten weniger bekannten Komponisten den Weg bei der Schaffung eines breiteren Repertoires. Der bekannteste Posaunist der Neuen Musik der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts ist Vinko Globokar, der auch als Komponist hervorgetreten ist.

Zu den beliebtesten Vortragsstücken zählen heute Stjepan Suleks Vox Gabrieli, die Sonatinen von Jacques Casterède und Bertold Hummel, sowie die Deux Danses von Jean Michel Defaye. Die bekanntesten Posaunenkonzerte dieser Zeit sind die Werke von Derek Bourgeois, Lars-Erik Larsson, Launy Grøndahl, Jan Sandström und Gordon Jacob.

Zugleich kam es im 20. Jahrhundert zu zahlreichen konstruktiven Weiterentwicklungen, etwa bei den verwendeten Werkstoffen. Die Durchmesser von Mundstücken, Bohrungen und Schalltrichtern stiegen, innovative Ventilkonstruktionen und verschiedene Typen von Dämpfern wurden entwickelt.

Heute wird die Posaune in allen Arten der Blasmusik, Sinfonie-Orchestern, Marsch- und Militärkapellen, Brass Bands, Posaunenchören und anderen Genres gespielt. Sie kann auch in kleineren Gruppen mitspielen wie etwa Blechbläserquintetten, -quartetten und -trios und reinen Posaunentrios oder -quartetten.

Die Posaune ist darüber hinaus aus dem Swing, Jazz, Salsa und Ska nicht mehr wegzudenken. Gerade Jazz und Swing sind für die wohl größten spieltechnischen Entwicklungen seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts verantwortlich und brachten eine Vielzahl herausragender Jazz-Posaunisten hervor, in Deutschland vor allem Albert Mangelsdorff, in den USA Musiker wie Kid Ory, Jack Teagarden, Trummy Young, Tommy Dorsey, Glenn Miller, Ted Heath, Kai Winding, J. J. Johnson, Bill Watrous, Urbie Green, Frank Rosolino, Carl Fontana, Wycliffe Gordon und Don Lusher.

Bauformen und Stimmlagen

Tenor-Zugposaune

Unter einer Posaune versteht man im Allgemeinen eine Zugposaune. Die Ventilposaune (siehe unten) bildet eine Sonderform.

Der Zug dient der Tonhöhenänderung, da durch Hinausschieben die Luftsäule verlängert wird. Er besteht aus den beiden über einen Quersteg verbundenen Rohren des Innenzugs und dem U-förmigen Außenzug, in der Regel mit Wasserklappe. Die Innenrohre sind am Ende zum Schuh etwas größer im Außendurchmesser und berühren hier fast den Außenzug. Der Zug muss regelmäßig „geschmiert“ werden: Durch auf den Innenzug aufgetragenes Posaunenfett bildet dazukommendes Wasser kleine Perlen, ähnlich den Kugeln eines Kugellagers, auf denen dann die beiden Teleskoprohre reibungsarm laufen. Ein direkter Materialkontakt (Messing/Neusilber/Chrom) oder sogar das trockene Laufen auf dem Fett hätte eine extrem hohe Haftreibung zur Folge, die eine leichtgängige Funktion des Zuges nicht gewährleistet. Aus diesem Grund befeuchtet der Posaunist den Zug auch während des Musizierens regelmäßig mit vorhandenem Kondenswasser aus dem Zug oder mit einer kleinen Pump-Wasserflasche. Alternativ zur Fett/Wasser-Kombination kann auch ein Siliconölgemisch aus verschiedenen Konsistenzen verwendet werden.

Schematische Darstellung der Zug-Funktion

Die Posaune besitzt in der Regel sieben Zugpositionen (auch: Lagen), die sich jeweils um einen Halbton unterscheiden. Der Zug kann stufenlos verschoben werden, so dass die Posaune als einziges Blechblasinstrument von einer Tonhöhe zu einer anderen "gleiten" kann (echtes Glissando).

Wie bei allen gängigen Blechblasinstrumenten kann die Stimmung der Posaune über einen Stimmzug kalibriert werden. Er befindet sich in der Regel im hinteren Bogen vor dem Schallstück. Diese Anordnung ist kostengünstig und mit geringem Aufwand zu realisieren. Sie ist aber für die Ansprache und die Intonation nicht ganz unproblematisch, da ein Bereich des Instruments, der sich bereits deutlich konisch erweitert, hier nochmals durch zylindrische Passagen unterbrochen wird. Eine wenig gängige Alternative besteht darin, die Stimmvorrichtung in den Zug zu integrieren.

Die heute am weitesten verbreiteten Stimmlagen sind die Tenor- und Bassposaune. Vergleichbar anderen Instrumenten der Renaissance wie etwa der Blockflöte wurde die Posaune historisch jedoch in allen Stimmlagen von Piccolo bis Kontrabass gebaut.

Tenorposaune

Die bei weitem gängigste Bauform ist die der Tenorposaune, heute in der Regel in B und mit einer Bohrung von etwa 12,2 bis 13,89 mm. Dieses Instrument ist ab dem großen E aufwärts voll chromatisch spielbar (siehe jedoch auch unter Falsett).

Bassschlüssel
Tenorschlüssel

Die Tenorposaune wird ohne Transposition (klingend, in C) und überwiegend im Bassschlüssel notiert, im sinfonischen Bereich häufig auch im Tenorschlüssel, seltener im Altschlüssel. Eine Ausnahme bilden Noten für englische Brass Bands, wo die Posaune im Violinschlüssel und transponierend in B notiert wird, um den Musikern den Wechsel zwischen verschiedenen Instrumenten zu erleichtern.

Ebenso wie das Erreichen der selten geforderten Pedaltöne vom Kontra-B bis zum Kontra-E richtet sich der Tonumfang in der Höhe nach dem Können des Spielers. Anfänger erreichen in der Regel binnen Kurzem das d' und nach einiger Zeit das f'; von Fortgeschrittenen wird das b' erwartet. Im professionellen Bereich ist ein Tonraum bis zum zweigestrichenen f erforderlich.

Zugposaune mit Drehventil, traditional wrap

Der deutsche Instrumentenbauer Christian Friedrich Sattler stattete im 19. Jahrhundert erstmals eine Tenorposaune mit einem zusätzlichen Quartventil aus. Diese heute noch verbreitete Bauform (Quartposaune) bezeichnet man mitunter auch als Tenorbassposaune, da das Instrument bei betätigtem Ventil in F gestimmt ist wie die vor Sattlers Innovation gängige Bauform der Bassposaune.

Posaunen mit Quartventil sind nicht nur ab dem großen C voll chromatisch spielbar: Ein mindestens ebenso wesentlicher spieltechnischer Vorzug besteht darin, dass mit Ventil alternative Zugpositionen möglich werden, eine bedeutende Erleichterung besonders im unteren Register. So muss der Zug für das kleine c nicht mehr bis auf die sechste Position ausgezogen werden, sondern dieser Ton ist mit Ventil bereits auf der ersten Position erreichbar; das große H liegt mit Ventil zwischen der zweiten und der dritten Lage statt ganz am Ende des Zuges.

Da sich bei Betätigen des Quartventils wegen der verlängerten Luftsäule die Abstände zwischen den einzelnen Zugpositionen gegenüber dem Spielen ohne Quartventil vergrößern, ist die siebte Zugposition nicht mehr erreichbar. Daher ist das Kontra-H nur durch Ausziehen des Ventilstimmzugs zu erreichen, was die letzte Lücke zu den Pedaltönen schließt. Manche Modelle besitzen eigens dazu einen zweiten Ventilstimmzug. Bei Instrumenten mit weiterer Bohrung sprechen die Ventil- und Pedaltöne in der Regel besser an und klingen auch meist besser.

Um zu erreichen, dass der Klang und die Ansprache einer Quartposaune sich bei betätigtem Ventil möglichst wenig ändert, gingen manche Hersteller in den 1980er Jahren dazu über, die Ventilschleife in möglichst wenigen, großen Radien zu winden, so dass sie nach hinten über den Bogen des Schalltrichters hinaus ragt (open wrap). Vor diesem Hintergrund entstanden auch das Thayer-Ventil und die dadurch angeregten anderen innovativen Ventilkonstruktionen. Eine heute verbreitete Kompromisslösung mit wenigen weiten Radien, die jedoch nicht über den hinteren Bogen hinausragt, bezeichnen einige Hersteller als semi-open. Manche Posaunisten bevorzugen jedoch nach wie vor eine eng innerhalb des Korpus verlegte Ventilschleife (traditional wrap).

Tenorposaune mit Axial- oder Thayer-Ventil, open wrap

Wieder andere wählen nach wie vor ventillose Posaunen, etwa weil das untere Register für ihre Musikrichtung weniger bedeutend ist und weil diese Instrumente, besonders mit enger Bohrung, meist etwas besser ansprechen. Besonders Jazz-Solisten verwenden bevorzugt eng gebaute Tenorposaunen mit kleinem Schalltrichter und ohne Ventil.

Bassposaune

Die Bassposaune ist eigentlich nur eine etwas größere Tenorbassposaune. Wie diese ist sie in B gestimmt, hat also die gleiche Rohrlänge und unterscheidet sich von ihr nur durch eine weitere Bohrung (etwa 14,30 bis 14,89 mm), einen größeren Schalltrichter und ein meist etwas größeres Mundstück. Dadurch spricht sie in der tiefen Lage besser an, klingt voller und kann lauter gespielt werden. Das hohe Register klingt dafür matter und erfordert eine größere Anstrengung.

Bassschlüssel

Die Bassposaune wird in der Regel nichttransponierend im Bassschlüssel notiert. Der Tenorschlüssel bildet die Ausnahme, der Altschlüssel kommt, wenngleich selten, ebenfalls vor.

Die moderne Bassposaune besitzt mindestens ein Ventil, heute in der Regel wie bei der Tenorposaune auf eine Quarte gestimmt. Meistens ist zusätzlich ein zweites Ventil vorhanden, mit dem die Grundstimmung zugunsten voll chromatischer Spielbarkeit ab dem tiefsten Pedalton weiter herabgesetzt werden kann. Die gängigsten Grundstimmungen in der Ventilkombination sind Es und D, doch es gab auch Versuche mit allen Stimmungen zwischen G und E.

Das zweite Ventil ist entweder in die Rohrschleife des Quartventils integriert und kann nur mit diesem zusammen benutzt werden (versetzte Bauweise, offset, abhängige Konfiguration) oder es befindet sich vor oder hinter dem Quartventil und kann auch einzeln benutzt werden (in-line, unabhängige Konfiguration). Die abhängige Bauweise wurde erstmals von den amerikanischen Bassposaunisten Kauko Kahila (BSO) und Edward Kleinhammer (CSO) unabhängig voneinander in den 1950er Jahren propagiert. Ihre Landsleute Burt Herrick und Larry Minnick leiteten einige Jahre später aus diesem Konzept die unabhängige Bauweise ab. Beide Bauformen besitzen ihre Eigentümlichkeiten; die Entwicklung des Instruments kann noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden.

Der Tonumfang der Bassposaune reicht in der Tiefe je nach Stimmung des zweiten Ventils - theoretisch - bis zum Subkontra-B und in der Höhe bis zum c2 und höher. In der Praxis sind nur talentierte und geübte Spieler in der Lage, tiefere Töne als das Kontra-E im normalen Vortrag zu nutzen. Die Literatur geht kaum über den Bereich zwischen Kontra-B und b1 hinaus. Bekannte Ausnahmen bilden die Symphonie en ré mineur von César Franck sowie das Konzert für Orchester von Béla Bartók. Diese Komponisten gingen von einer „echten“ Bassposaune in F aus, die neben Instrumenten in G, E, Es, D und C1 von der Renaissance bis zur Einführung der Tenorbassposaune üblich war.

Altposaune

Alt-
schlüssel

Die Altposaune ist heute deutlich seltener als die Tenor- und Bassposaune. Sie ist zumeist in Es, selten in F gestimmt und wird in der Regel nichttransponierend im Altschlüssel notiert.

Bei einigen Posaunenlehrern wird die Altposaune für Einsteigerkinder gebraucht.

Konstruktiv unterscheidet sich die Altposaune von der Tenorposaune durch eine kürzere Rohrlänge und einen kleineren Schalltrichter mit einem Durchmesser zwischen 165 und 177 Millimeter (6,5 bis 7 Zoll). Ihre Bohrung ist jedoch nur selten kleiner als die einer engen Tenorposaune. Manche Instrumente besitzen ein Quart- oder Sekundventil.

Die Altposaune klingt brillanter als die größeren Instrumente. Ihr Tonumfang reicht (ohne Pedal- und Ventiltöne) in etwa vom großen A bis zum zweigestrichenen b, doch höhere Töne als das zweigestrichene f werden nur selten gefordert.

Infolge des kürzeren Zuges unterscheiden sich ihre Lagen deutlich von denen auf der Tenor- und Bassposaune, was den Wechsel zwischen diesen Instrumenten über die für Tenorposaunisten ungewohnte Notation hinaus weiter erschwert. Von professionellen "hohen" Posaunisten wird heute jedoch erwartet, dass sie auch die Altposaune beherrschen.

Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert bildete die Altposaune die reguläre Oberstimme des dreistimmigen Posaunensatzes. Anfang des 19. Jahrhunderts ging ihre Verbreitung infolge der Entwicklung der Ventiltrompete jedoch deutlich zurück. Als sich der Posaunensatz im klassisch-/romantischen Symphonieorchester etablierte, wurde die Oberstimme in der Regel mit einer Tenorposaune besetzt, deren in dieser Zeit nach oben erweiterter Tonumfang dazu meist ausreichte. Zwar griffen Tenorposaunisten noch bis ins 20. Jahrhundert vereinzelt auf die Altposaune zurück, doch erst in jüngster Vergangenheit nimmt die Beliebtheit des Instruments wieder merklich zu.

Die Altposaune wird in erster Linie in der Chormusik sowie im symphonischen und Opernbereich besetzt, doch es existiert auch ein bescheidenes solistisches Repertoire, insbesondere aus der Wiener Klassik. Zeitgenössische Komponisten haben das Instrument erst in jüngster Zeit wieder neu entdeckt.

Kontrabassposaune

Die frühesten Kontrabassposaunen ("Octavposaune" bei Praetorius, gelegentlich auch "Doppelposaune" (trombone doppio)) wurden in der Renaissance gebaut und waren in Kontra-B (16 Fuß) gestimmt. Sie hatten zunächst einen überlangen Zug mit Schwengel, um die äußersten Lagen zu erreichen. Später kamen Bauformen mit doppelt gewundenem verkürztem Zug auf.

Im späten 19. Jahrhundert kam es zur Neuentdeckung der Kontrabassposaune, als Richard Wagner für den Ring des Nibelungen erstmals ein Opernorchester mit einem vierstimmigen Posaunensatz vorsah. Ihm folgten beispielsweise Richard Strauss mit seiner Oper Elektra von 1908 und Arnold Schönberg 1913 mit den Gurre-Liedern. Dennoch, und trotz einiger konstruktiver Innovationen, konnte sich die Kontrabassposaune nicht dauerhaft im modernen symphonischen Orchester etablieren und wurde im 20. Jahrhundert nur vereinzelt von Komponisten besetzt.

Bei modernen Kontrabassposaunen handelt es sich um in F oder Kontra-B gestimmte Sonderanfertigungen in gleicher Stimmlage (und entsprechend mit gleicher Rohrlänge) wie die Bass- beziehungsweise Kontrabasstuba. Ihre Bohrung ist meist etwas weiter als die der modernen Bassposaune und sie besitzen ein bis zwei Ventile.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist im Orchester eigentlich nur noch die Kontrabassposaune in F mit zwei Ventilen in Gebrauch. Ursprünglich aus Platzgründen war das Schallstück mit einer Windung versehen, aber ab den 1970er Jahren setzte sich die lange, gerade Bauform durch. Durch die Kombination der beiden Ventile erübrigte sich auch der Schwengel und man kommt mit fünf Positionen am Zug aus. Übliche Ventilkombinationen sind Sekund- und Quintventil, Terz- und Quintventil oder seltener Terz und Quartventil.

Sopranposaune, Piccoloposaune, Diskantposaune, Zugtrompete

Die Sopranposaune gehört spätestens seit Ende des 17. Jahrhunderts zur Familie der Posaunen. Sie wurde seit Beginn an relativ selten verwendet, auch wenn Komponisten wie Heinrich Schütz, J. S. Bach, Ch. W. Gluck, und W. A. Mozart sie in dem bis Ende des 18. Jahrhunderts üblichen vierstimmigen Posaunensatz einsetzten.

Posaunen höherer Stimmlage als die Altposaune besitzen heute nur noch Exotenstatus und werden im Wesentlichen von Trompetern als Gag eingesetzt, wie etwa von Matthias Höfs bei Auftritten von German Brass. Allerdings sollte dabei nicht vergessen werden, dass ursprünglich für einige wenige Kantaten Johann Sebastian Bachs der Chor in einigen Stücken (insbesondere den Chorälen) durch einen vierstimmigen Posaunensatz unterstützt wird. Da die höchste Stimme dabei in der Regel an die Grenzen der Möglichkeiten einer Altposaune stößt, empfiehlt es sich nach wie vor, für diese Stimme statt einer Trompete eine Diskantposaune zu verwenden.

Der Name Zugtrompete ist umgangssprachlich gebräuchlich, da sie den gleichen Tonumfang und Mundstückgrösse wie eine Trompete besitzt. Die Grundstimmung heutiger Instrumente ist in B oder hoch B („Piccoloposaune“). Die Notation der Sopranposaune ist mangels Spieltradition nicht geklärt. Nach dem Instrumentenhandbuch in Tabellenform von Windfried Pape wird die Sopranposaune nichttransponierend in klingend C notiert. Da aber sowieso kein konventioneller Posaunist wegen des Trompetenmundstücks und der extrem kurzen Lagenwege auf die Sopranposaune zurückgreifen kann und nicht vorausgesetzt werden darf, dass ein solcher auch den Violinschlüssel lesen kann, sondern nur Trompeter, empfiehlt sich eine transponierende Notation nach B einen Ganzton höher, wie sie für die B-Trompete traditionell üblich ist.

Deutsche und amerikanische Bauweise

In Deutschland wurden Posaunen historisch mit den verschiedensten Bohrungen und Schallstück-Durchmessern gefertigt. Die Deutsche Konzertposaune unterscheidet sich konstruktiv in mehrfacher Hinsicht deutlich von der heute üblichen amerikanischen Bauweise. Sie wird meist mit einem eher kleinen Mundstück gespielt, hat jedoch ein sehr langes Mundrohr von mindestens 30 bis 60 Zentimetern.

Das gesamte Instrument besteht in der Regel aus Goldmessing, stellenweise auch aus Neusilber, was sich auf den Klang auswirkt. Das Metall ist hart, aber biegsam. Seine Wandstärke ist insgesamt geringer als bei der amerikanischen Bauweise und nimmt vor allem zum Schallstück hin kontinuierlich ab. Getreu der Philosophie von Eduard Kruspe gilt dabei das Prinzip der Fragilität: Je leichter und dünnwandiger, desto hochwertiger das Instrument.

Das Schallstück ist einteilig mit gerader Lötnaht und besitzt einen Kranz aus Neusilber, oft mit Gravur, der jedoch nicht flächig aufgelötet ist. Dieser Schmetterkranz bewirkt das sogenannte unendliche Fortissimo: Die Lautstärke kann kontinuierlich gesteigert werden, ohne dass der Ton „aufbricht“, wobei die absolut erreichbare Lautstärke hinter der amerikanischen Bauweise zurück bleibt.

Der Zug ist grundsätzlich „konisch“: das obere Rohr hat eine kleinere Bohrung als das untere. Man gibt dabei keine konkreten Durchmesser an, sondern teilt die Instrumente in fünf „deutsche Weiten“" ein (1 = eng, Soloposaune bis 5 = weiteste Bassposaune). Die Strebe des Außenzugs ist nicht fest verlötet.

Die in Deutschland üblichen Bohrungen galten im 19. Jahrhundert als vergleichsweise groß, blieben jedoch seit 150 Jahren in etwa auf dem gleichen Stand, so dass die Deutsche Konzertposaune heute insgesamt etwas enger ausfällt als ihr amerikanisches Gegenstück. Die Schallstückdurchmesser dagegen sind mit 254 Millimetern und mehr im internationalen Vergleich immer noch am größten (hyperbolische Bauweise).

Schwerere und leichtere Baugruppen wechseln sich „rhythmisch“ ab. Das Ventil befindet sich deutlich weiter hinten im Korpus und wird traditionell per Lederriemen betätigt; weniger radikale Konstruktionen setzen inzwischen jedoch auf den üblichen metallenen Hebel.

Wie bei der Deutschen Konzerttrompete kommen ausschließlich Drehventile zum Einsatz, selbst bei den Ventilposaunen deutscher Bauweise.

Zu den weiteren häufigen Merkmalen der Deutschen Konzertposaune zählen die lange Wasserklappe (mit Betätigungseinrichtung am Quersteg des Außenzuges) sowie Schlangenverzierungen an den Bögen von Zug und Schallstück. Insgesamt zeichnen sich Instrumente deutscher Bauweise bei der Fertigung durch einen hohen Anteil an Handarbeit aus, sind also als kunsthandwerkliche, individuell auf den Auftraggeber zugeschnittene Produkte zu verstehen.

In der Summe unterscheidet sich die Deutsche Konzertposaune daher stark im Klang, im Obertonspektrum sowie in der Abstrahlcharakteristik und in der Ansprache, auch je nach Dynamikbereich, worauf sich der Spieler bei der Klangformung einstellen muss.

Ventilposaune

Ventilbassposaune um 1850/60

Die Ventilposaune besitzt statt eines Zuges zur Tonhöhenveränderung drei bis vier Ventile wie viele andere Blechblasinstrumente. Ihr Tonumfang ist gleich der entsprechenden Zugposaunenstimmlage, doch sie unterscheidet sich leicht in Ansprache und Klang, da sie von der Bau- und Spielweise her eher einer großen Trompete ähnelt. Mit einer solchen hat sie unausweichlich auch die Spielgeschwindigkeit in allen Lagen und die generelle Ventiltechnik gemeinsam (z. B. chromatische und diatonische Triller auf fast allen Tönen). Es gibt eine kurze und eine lange Bauform.

Manche Posaunisten vertreten die Auffassung, dass dieses Instrument eine problematische Intonation aufweist, zumals es in der Regel weder kompensiert und nur bei höherwertigen Instrumenten Trigger oder andere Intonationshilfen besitzt. Eine Minderheit zieht sie der gängigeren Zugposaune jedoch vor.

Historisch gab es Ventilposaunen in allen Stimmlagen von Alt bis Kontrabass, doch die Tenorventilposaune besaß stets die größte Verbreitung.

Den Zenit ihrer Beliebtheit erreichte die Ventilposaune im 19. Jahrhundert, als die Ventiltechnik die größten Fortschritte machte. Als gegen Ende dieses Jahrhunderts Zugposaunen besserer Qualität mit industrieller Präzision preisgünstig in Serie gefertigt wurden, gewann diese Bauform wieder die marktbeherrschende Stellung zurück. Regional überwiegt jedoch bis heute die Ventilposaune, etwa in Österreich, Italien, Böhmen, Mähren, der Slowakei, Spanien, Portugal, Südamerika und Indien.

In der Blasmusik in Österreich und in der alpenländischen Volksmusik wird die Ventilposaune im Violinschlüssel transponierend in B♭ notiert wie das Tenorhorn, was den Musikern bei Bedarf den Wechsel des Instruments, etwa auch zur Trompete, erleichtert.

Cimbasso gewinkelt

Bestimmte Bass- und Kontrabass-Ausführungen der Ventilposaune tragen die Bezeichnung Cimbasso und werden im Wesentlichen für die Musik von Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini eingesetzt.

Manche Passagen sind auf einer Ventilposaune einfacher zu spielen, andere auf einer Zugposaune. Auf der Ventilposaune sind schnelle technische Passagen in der Regel mit größerer Geläufigkeit zu spielen. Viele (Zug-)Posaunisten bemängeln jedoch ihren matteren, weniger offenen Klang. Im sinfonischen Kontext wird die Ventilposaune heute nicht mehr verwendet, wenngleich insbesondere Verdi eindeutig auf ihre technischen Möglichkeiten setzte. So ist die Ouverture zur Oper Die Macht des Schicksals auf der Zugposaune nur von Virtuosen zu bewältigen. Auch Posaunisten von Weltformat wie etwa die Mitglieder von German Brass griffen vor diesem Hintergrund auf bestimmten Aufnahmen zu einer Ventilposaune, die deshalb beispielsweise auch zu den auf dem Cover ihres Albums Bach 300 abgebildeten Instrumenten zählt.

Auch im Jazz wird die Ventilposaune eher selten eingesetzt. Zu den bekanntesten Ventilposaunisten zählen Bob Brookmeyer, Raul de Souza, Juan Tizol vom Duke Ellington Orchestra sowie Bob Enevoldsen. Da die Fingersätze der Ventilposaune denen der B-Trompete entsprechen, wird sie zudem als Zweitinstrument von einigen Jazz-Trompetern gespielt.

Eine exotische Bauform besitzt sowohl einen Zug als auch eine Ventilmaschine. Solche Instrumente wurden erstmals im frühen 20. Jahrhundert produziert und sind heute dank des Einflusses von Jazz-Musiker Maynard Ferguson als Superbone bekannt.

Pädagogik

Beim Einstiegsalter gelten ähnliche Grundsätze wie beim Waldhorn und den anderen Blechblasinstrumenten. Insbesondere für Kinder, die infolge ihrer Armlänge die äußersten Zugpositionen noch nicht erreichen können, bringen verschiedene Hersteller in jüngster Zeit die wiederentdeckte Bauform der B/C-Posaune mit Sekund-Verkürzungsventil (und meist mit nur sechs Zugpositionen) auf den Markt, beispielsweise Günter Frost, Thein, Helmut Voigt und Yamaha ("Kompaktposaune").

Zunehmend werden als Erstinstrument für junge Posaunen-Anfänger auch Alt-Posaunen eingesetzt. Da die in Es stehenden Instrumente aufgrund ihres Tonumfanges deutlich kleiner als die üblichen Tenor-Posauenen sind, sind schon Kinder ab ca. sechs Jahren in der Lage, auf einem solchen Instrument zu lernen. Als mögliche Schwierigkeit ergibt sich daraus, dass beim späteren Umstieg auf die Tenorposaune die zu den einzelnen Zügen gehörenden Töne umgelernt werden müssen. Zum Teil wird aus diesem Grund transponierend gelehrt: jeder Ton klingt dann eine Quarte höher als er benannt wird; auf der Tenorposaune ergibt sich dadurch später ohne Umlernen die Übereinstimmung von Notenname und klingendem Ton.

Trivia

Die Posaune wird von Komponisten, etwa in der Filmmusik, getreu der biblischen Konnotation immer wieder gern eingesetzt, wenn es an Endzeit-Szenarien geht. Beispiel Thirteen Days: Man beachte das Motiv im Anschluss an die Szene, in der Dean Acheson in einer Konferenz mit Präsident John F. Kennedy erstmals andeutet, dass die Kuba-Krise zum nuklearen Holocaust führen könnte.

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